Unterschiede: ETFs, Indexfonds und aktive Fonds

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Die Historie von Investment- und Indexfonds

Die Idee, sich zum Investieren mit anderen Menschen zusammenzutun, ist nicht neu. Seit fast 100 Jahren gibt es Investmentfonds, in denen Menschen ihr Geld zusammenlegen und es investieren. 1929 wurde beispielsweise in Philadelphia der Wellington Fonds gegründet, der in Aktien und Anleihen investiert und der bis heute existiert. Als Beispiel haben wir hier den Wellington Global Quality Growth, welchen wir auch als mögliche Alternative zum MSCI ACWI empfehlen.   

Solche traditionellen Fonds haben in der Regel einen Manager, der für seine Arbeit eine sogenannte Managementgebühr erhält. Sie betrug ursprünglich etwa 0,7 % p. a. (pro Jahr), ist aber zwischenzeitlich auf mehr als 1,5 % bis 2,5 % p. a. angestiegen.

Da aber sehr früh deutlich wurde, dass viele dieser Fonds (nicht zuletzt auch aufgrund zu hoher Gebühren) nur unterdurchschnittliche Anlageergebnisse erzielten, initiierte der Vanguard-Gründer John Bogle die sogenannten Indexfonds. Diese versuchten nicht mehr zwanghaft den Aktienmarkt zu schlagen, sondern einfach nur zu replizieren. Damit sollten dann die sogenannten Aktienprämien verdient werden, die sich statistisch betrachtet langfristig auf etwa 6 – 8 % p. a. belaufen. 

Der amerikanische S&P 500 Index bildet nahezu 80 % des amerikanischen Aktienmarktes ab. Dieser Fakt inspirierte Bogle in den 70er Jahren dazu, einen S&P 500 Indexfonds als ersten seiner Art ins Leben zu rufen. Da bei einem Indexfonds keine Manager bezahlt werden müssen, konnte der Fonds von Beginn an niedrigere Gebühren als traditionell gemanagte Fonds aufweisen. Jedwede Kostenvorteile wurden den Anlegern gutgeschrieben, weshalb die Gebühren für diesen ersten Indexfonds von anfänglich etwa 0,7 % p. a. auf zwischenzeitlich 0,05 % p. a. gesunken sind – die Anleger in diesem Indexfonds zahlen also praktisch keine Gebühren mehr.

Von der Innovation zum Dauerbrenner: das Konzept Indexfonds

In den Anfangsjahren wurde John Bogles Fonds vom Wettbewerb belächelt und seine Idee als Schildbürgerstreich bezeichnet. Welcher gesund denkende Anleger würde sein Geld jemandem anvertrauen, der nicht einmal die Ambition hat, den Index zu schlagen!?

Mit Ablauf mehrerer Jahrzehnte wurde jedoch deutlich, dass die ohnehin erheblich günstigeren Indexfonds zusätzlich auch noch einen Großteil ihrer aktiven Wettbewerber schlugen. Seit Beginn der 90er Jahre bekamen Indexfonds sukzessive Zulauf und wurden zunehmend akzeptiert.

Heute wissen wir, dass Kostenkontrolle beim langfristigen Sparen der einzige Erfolgsfaktor ist, den Anleger selbst bestimmen können. Die wenigen Manager, die bessere Ergebnisse als die vorgenannten Aktienprämien in Höhe von 6–8 % p. a. erzielen, weisen in der Regel vergleichsweise niedrige Kosten aus und tummeln sich in Nischenmärkten, die nicht leicht mit Indizes abgebildet werden können. Es handelt sich zwar um eine sehr kleine Gruppe von Qualitätsmanagern, allerdings existieren sie und wir enthalten sie Ihnen bewusst nicht vor.

So funktioniert der Kauf von Fondsanteilen:

Um die Börse zu verstehen, ist wichtig zu wissen, dass der Kauf eines herkömmlichen Fondsanteils (unabhängig, ob Indexfonds oder aktiv gemanagter Fonds) wie folgt abläuft.

1. Ein Kunde kauft über seine Hausbank für einen fixen Geldbetrag seine Fondsanteile. Das kann sowohl einmalig als auch regelmäßig geschehen. Die Order muss vor Ablauf einer täglichen Annahmefrist bei der kontoführenden Bank oder dem kontoführenden Broker eingehen. 

2. Der Auftrag wird daraufhin an die Fondsgesellschaft weitergeleitet.

3. Die Fondsgesellschaft berechnet täglich zu einem bestimmten Zeitpunkt den Wert eines einzelnen Fondsanteils. Diese Ermittlung erfolgt auf Basis der Summe aller umlaufenden Fondsanteile und dem Gegenwert aller Investments (in der Regel Anleihen und Aktien) im Fonds. 

4. Sobald der Anteilswert (= Nettoinventarwert) bekannt ist, werden neue Anteile an neue Investoren ausgegeben beziehungsweise alte Anteile an Investoren zurückgegeben, die Geld aus ihrem Investment entnehmen wollen. 

5. Die neu erworbenen Fondsanteile werden im Namen des Kunden bei einer Verwahrstelle oder Depotbank hinterlegt. Zurückgegebene Anteile werden entsprechend wieder ausgebucht. Die Gutschrift bzw. Rücknahme der einzelnen Fondsanteile bei der Depotbank dauert in der Regel 1–3 Tage und wird im jeweiligen Fondsdatenblatt kommuniziert.

Durch dieses Verfahren ist Fairness gewährleistet, da sowohl neue als auch sich verabschiedende Investoren den gleichen fair ermittelten Preis erhalten. Der Anleger muss lediglich dafür sorgen, dass seine Order rechtzeitig bei der Fondsgesellschaft eintrifft. Es gibt zwischenzeitlich sehr viele Studien, die belegen, dass es sinnlos ist, Kauf oder Verkauf von Langfristinvestments durch kurzfristiges Agieren im Finanzmarkt zu optimieren. Da Investmentfonds für langfristiges Sparen gedacht sind, ist unerheblich, dass Fondsanteile nur einmal am Tag zu einem fairen Anteilspreis gekauft oder zurückgegeben werden können und nicht mehrfach. 

Die Besonderheiten des ETF-Kaufs

Als Anfang der 90er Jahre die Idee des Investierens in einen Index (= Indexen) wachsenden Zuspruch fand, wurde auch Wall Street auf die Idee aufmerksam und suchte nach Wegen, mitzuverdienen. Die Lösung war: Fortan konnten Fondsanteile nicht nur einmal am Tag zu einem fairen Preis gehandelt werden, sondern ganztägig über die Börse ge- und verkauft werden. Denn wer viel handelt, zahlt auch viele Handelsgebühren …! 

Damit war der sogenannte börsengehandelte oder Exchange Traded Fonds (ETF) geboren. Wie zu Beginn der Indexfonds in den 70er Jahren, wurde auch in den 90er Jahren der S&P 500 Index als Ausgangsbasis gewählt. Heute repräsentieren der Vanguard Indexfonds auf den S&P 500 und der S&P 500 ETF von State Street (SPY) die weltweit größten Fonds mit zusammen mehr als 500 Milliarden (!) US Dollar Anlegergeldern.

Der Vorteil von ETFs ist folglich die Tatsache, dass sie ganztägig an der Börse gehandelt werden und häufiger die Möglichkeit besteht, zu handeln. Der Nachteil ist jedoch, dass ETFs nahezu nie zum fairen Nettoinventarwert gehandelt werden. Der Preis, zu dem ein Investor kauft oder verkauft, wird von Händlern bestimmt, die mitverdienen möchten. Aus diesem Grund weichen die gehandelten Preise in der Regel nach oben oder unten ab. Achtung: An Crashtagen können diese Abweichungen immens sein! Auch das ist logisch, denn die Wall Street macht nichts umsonst.

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Indexfonds versus ETFs

Wichtig zu wissen ist auch, dass an der Börse in der Regel keine Bruchstücke von Fonds mit Nachkommastellen gehandelt werden, sondern nur ganze Anteile. Beim traditionellen Fondssparen wollen Anleger allerdings meistens regelmäßig Geldbeträge sparen und sich nicht jedes Mal Gedanken machen, wie viele Anteile ihr Geld dieses Mal erwerben kann. Von daher ist es seit Jahrzehnten üblich, dass man traditionelle Fonds und Indexfonds auch als Anteilsbruchstücke nach dem Komma erwerben kann. Speziell bei Fonds mit hohen Kurswerten ist dies erforderlich, wenn Sparer mit kleinen Geldbeträgen auch Beteiligungen erwerben wollen.

Bei ETFs geht das nur, wenn ein Makler dies möglich macht. Und das ist dann der Fall, wenn er daran verdient. Diese Tatsache sollten Sparer bei der Vielzahl der angebotenen ETF-Sparpläne am Markt unbedingt berücksichtigen.

Bei den weithin bekannten günstigen ETFs auf Indizes wie den MSCI Welt oder den S&P 500, sind das zu vernachlässigende Kosten. Bei Nischen-ETFs, die in Sektoren, Länder, Themen oder Sonstiges investieren, fallen jedoch häufig höhere Kosten an. Interessanterweise steigen bei Nischen-ETFs gleichzeitig auch die Managementgebühren und fallen höher aus, als jene von Standardindizes. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – also Vorsicht bei den Kosten.

Aus allen genannten Gründen sind wir keine großen Freunde von ETF-Sparplänen und raten in der Regel zum Sparen mit Indexfonds, sofern diese erhältlich sind.

John Bogle, der Großvater der Indexfonds, wurde schon sehr früh in die Schaffung der ersten ETFs mit einbezogen. Allerdings war er von Anfang an gegen diese Idee, da er befürchtete, dass Sparer von Langfristanlegern mit klarer Investmentstrategie fortan zu Index-Spekulanten mutieren könnten.

Wir können Bogles Befürchtung gut verstehen und verzichten daher in der Regel bei der Auswahl von Indexinvestments lieber auf ETFs und empfehlen stattdessen Indexfonds. Dadurch erhalten unsere Kunden immer einen fairen Preis, der die Rendite so vollständig wie möglich lässt.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Sonderfälle

Aber wie so häufig im Leben ist die Welt nicht nur schwarz und weiß – nicht für alle Indizes sind auch Indexfonds erhältlich. Außerdem gibt es ein Steuerabkommen der EU mit den Vereinigten Staaten, dass dazu führt, dass ETFs, die vergleichsweise viele amerikanische Aktien enthalten, eine Steuerrückerstattung auf die amerikanische Abgeltungsteuer erhalten. Diese Steuerrückerstattung gleicht unseres Erachtens „unfaire” Preise und Marktpraktiken bei bestimmten ETFs aus, was wir auch in diversen Renditevergleichen beobachten konnten.

Daher haben wir neben den von uns bevorzugten Indexfonds auch einige ETFs in unsere aktiven Empfehlungen aufgenommen – einfach, weil sie stellenweise die Nase vorne haben. Letzteres bedeutet in diesem Fall einen Renditevorteil von etwa 0,2 % p. a., der zwar nicht kriegsentscheidend, aber doch eine kleine Stellschraube für den Weg zu einer möglichst hohen Rendite ist.

Schlusswort

Bei allem Für und Wider ist uns wichtig zu betonen, dass wir zu jedem Zeitpunkt faktenbasierte Entscheidungen treffen möchten. Wir sind nie per se gegen oder für bestimmte Produkte oder Produktpartner. Unsere Präferenzen gelten ausschließlich und jederzeit der transparenten Information unserer Kunden sowie der Bereitstellung von in unseren Augen den besten und günstigsten Sparideen. Ideen, die wir selbst in unseren Familienportfolios umsetzen oder umsetzen würden.

Wir beantworten Ihre Fragen 

Wir freuen uns, Sie auf Ihrem Weg zu Ihrem ersten Investment begleiten zu können. Schnelle Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie in unseren FAQ. Für Anregungen, Fragen zu ihrem Portfolio oder unserem Angebot, sind wir zwischen 9:30 und 18:00 Uhr per Chat oder E-Mail zu erreichen. 

Schon während ihres Studiums „International Business and Management“ sammelte Antonia erste Erfahrungen im Bereich Geldanlage und Investieren. Dabei stieß sie auf das Problem der Fülle an unzulänglichen und teilweise lückenhaften Informationen. Gerade deshalb liegt es Antonia am Herzen, auch schwierige Investmentthemen umfassend zu diskutieren und leicht verständlich zu vermitteln. Ihr Motto: „Nur wer versteht, kann erfolgreich sein.“

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